EJZ Artikel
VON DANIELA MUCHOW
Lüchow. Die Bestellungen für neue Busse gehen demnächst raus. Die Jobs für Fahrpersonal und Büromitarbeitende sind ausgeschrieben. Die ersten Einstellungsgespräche sind für diese Woche angesetzt. Ein Betriebsgelände hat Stefan Irro bereits erworben: das ehemalige Betonwerk Lichtner am stillgelegten Hafen Lüneburg. Auch Wohnraum für Mitarbeitende stehe in der Hansestadt zur Verfügung, sagt der 47-Jährige. Sein Unternehmen expandiert mit großen Schritten in den Nachbarlandkreis. Das Zeitfenster ist schmal. Mit dem Silvesterfeuerwerk am 1. Januar fällt der Startschuss für den neuen Marktteilnehmer im Lüneburger ÖPNV.
Bekanntlich hat Irro gemeinsam mit der Deutsche-Bahn-Tochter Regionalbus Braunschweig (RBB) den Zuschlag für drei von sechs Losen für den Linienverkehr in der Stadt und dem Landkreis Lüneburg ab 2026 erhalten (EJZ berichtete). Der Busverkehr im Nachbarlandkreis wird komplett neu aufgestellt. Bisher fuhren drei Irro-Fahrzeuge im Auftrag des regionales Verkehrsunternehmens KVG in Lüneburg, künftig schickt die Bietergemeinschaft Irro und RBB gut 80 Busse auf die Straße, also gut die Hälfte der erforderlichen Fahrzeuge, die laut einem Landkreissprecher im täglichen Einsatz sind. Etwa 140 Mitarbeitende, davon zehn in der Verwaltung, brauchen RBB und Irro in Lüneburg, erklärt Stefan Irro. Abstimmung und Kooperation der Bietergemeinschaft erfolgten „auf Augenhöhe“.
Was bedeutet dieses Wachstum für das Unternehmen Irro? In erster Linie trage der Schritt dazu bei, die Umsätze zu stabilisieren, sagt Stefan Irro. Mit der Moin GmbH als Tochterunternehmen des Landkreises Lüneburg, vergleichbar mit der Lüchow-Schmarsauer Eisenbahn (LSE) in Lüchow-Dannenberg, könne man auf einen weiteren Auftraggeber im Linienverkehr setzen. Die einzelnen Loszuschläge haben eine Laufzeit zwischen sieben und zehn Jahren. Alles zusammen sichere das auch Arbeitsplätze im Wendland.
Mehr als 300 Mitarbeitende hat Irro insgesamt, 130 davon sind im ÖPNV tätig. Dieses Team wird mit jenem in Lüneburg noch einmal um die Hälfte wachsen. Man habe die Strukturen, um das neue Wirkungsfeld schultern zu können, sagt der 47-Jährige. Während die Bahn schon öfter ÖPNV-Bereiche übernommen habe, sieht Stefan Irro sich bei seiner Premiere als „schnelles Beiboot“. Die Herausforderung sei, bis Januar alles unter Dach und Fach zu bringen. Durch die juristische Auseinandersetzung – die KVG war gegen die erste Losvergabe vorgegangen – habe man mehrere Monate Vorbereitungszeit verloren.
Erfreulicherweise lägen viele Bewerbungen vor, sagt der Lüchower: „Im besten Fall haben wir die Truppe im November zusammen.“ Einige Mitarbeiter würden von Lüchow nach Lüneburg wechseln, der Großteil aber werde dort neu eingestellt.
Wie viel er in Lüneburg investieren wird, könne er noch nicht sagen, erklärt Stefan Irro im EJZ-Gespräch. So sei etwa noch unklar, wie man den neuen Betriebshof in Lüneburg aufstellen werde. Das überlege man derzeit zusammen mit dem Unternehmen MK Bau aus Woltersdorf. Einen Turm und die Halle des ehemaligen Betonwerks habe man bereits abreißen lassen. 8.000 Quadratmeter ist das etwa 500 Meter vom neuen Moin-Betriebshof entfernte Gelände groß. Gut 50 Fahrzeuge sollen dort Platz finden. Für die anderen circa 30 ist eine dezentrale Abstellung im Lüneburger Kreisgebiet geplant.
Auch die Investition in Busse lasse sich aktuell nicht pauschal mit einer Summe nennen. Die Preise für einen Standardlinienbus (Solobus) lägen je nach Hersteller zwischen 220.000 und 320.000 Euro, ein Gelenkbus koste etwa 400.000 Euro, erklärt der Unternehmer. Die Bietergemeinschaft werde gut 80 Busse auf die Straße bringen, davon 20 Gelenkbusse. Zunächst werde man mit Altbestand aus der Irro-Flotte und jener der Deutschen Bahn arbeiten, informiert Stefan Irro. Gegebenenfalls müssten Leih- und zu kaufende Gebrauchtfahrzeuge die Übergangszeit überbrücken. Die ersten zehn neuen Busse seien bestellt. Für alle neuen Fahrzeuge, die nach Ausschreibung komplett barrierefrei sein müssen, rechnet er mit Lieferzeiten bis Juni, Juli 2026. Die Fahrgäste werden übrigens nicht unmittelbar erkennen, mit welchem der fünf im Landkreis Lüneburg tätigen Unternehmen – neben Irro und RBB sind dies KD-Reisen aus Lüchow, die KVG aus Stade und Elite Traffic aus Hamburg – sie unterwegs sind: Alle Busse werden unter dem Moin-Label in Ockergelb unterwegs sein.